Plaudereien zum Thema “heiss und kalt “
Bohnensuppe im Sommer – mit Rindfleisch u. Zwiebeln in goldener Boullion – u. vor allem schon heiß—-! Doch der Traum deutscher Hausfrauen bekommt bei Außentemperaturen um 39 C im Schatten eher alptraumhafte Züge. Das heißt jedoch nicht, daß die Griechen auf ihre heiß geliebte Fassolada oder Fassolakia verzichten, sie wird halt nur beinahe kalt – wie fast alles- gegessen. Und genau diese lauwarme bis kalte griech. Küche ist es, die Griechenland – Ersturlauber zur Verzweifelung bringt.
Gelingt es ihnen doch selten, den Tavernenwirten begreiflich zu machen, daß in Ol schwimmendes Gemßse, fritierte Kästetaschen oder Kalamares nur heiß zu genießen seinen, wo jede selbst doch von frühester Kindheit gelernt haben, daß kein Mensch brandheißes Essen verträgt, daß man vielmehr geduldig warten muß, bis die Pommes – Patates – gebührend abgekühlt sind, während die gefüllten Tomaten eiskalt aus dem Kühlschrank durchaus bekommlich gelten!!!
So hat es der verstörte Tourist, der in den eiskalten Nudeln seinen Jouvetsis rum stochert ( ich mußte damals unsere deutschen Hochzeitsgäste beobachten, wie diese die lecker gewürzt- u. gegrillten Lämmchen mit lauwarmen handgeschälten Pommes nur anstandshalber ” runterwürgten ” u. ich konnte das fast nicht mehr verstehen, obwohl ich selbst mein erstes Moussaka in Griechenland – aufgrund meines damaligen ” europäischen ” – Empfindens- auch vermutlich nur anstandshalber kalt gegessen habe.
Heute esse ich nicht nur die Bohnen, sondern auch Moussaka kalt!!! ); also keineswegs mit Gleichgültigkeit, Unkenntnis oder mangelndem Service zu tun, sondern mit einer landesspezifischen Gewohnheit, die Klima bedingt auf jahrhunderte alter Erfahrung beruht u. gewiss sogar ihre Wurzeln in der Antike hat. Oder sollte etwa Hippokrates nicht gewußt haben, daß man die Eingeweide in der Sommerhitze nicht durch kochende Speisen belasten darf_Zum Trost wisse der Urlauber, dass er mit seinen Bohnen in lauwarmer Tomatensosse im Unterschied zum brutzelnden Kotelett, ein typisches Landesgericht verzehrt.
Vielleicht aber sind die abgekühlten Speisen einen heimliche Erfindung der Hausfrauen, die den größten Nutzen aus dieser Landessitte haben. Können sie doch die Mahlzeiten zubereiten, wann immer sie wollen, ohne sie dann wieder aufwärmen zu müssen. Und welche Weisheit bezüglich der Harmonie ehelicher Tischgemeinschaften, denn in Griechenland bekommt kaum ein Mann geschimpft, weil er zu spät kommend, das Essen kalt hat werden lassen. Werden Gäste erwartet, so gibt es weder Aufregung, noch Hektik u. die Gastgeberin hat in aller Ruhe Zeit, sich fein zu machen.
Doch neuerdings hat sich das Bild in den meisten griech. Lokalen doch gewandelt. Man hat sich gastronomisch den internationalen Anspruchen genähert u. sieht nun zufriedene Touristen gemütlich kauen, während Einheimische jedem Bissen verzweifelt kaltes Tafelwasser hinterher schütten.