Das griechische Lied: Im Rhythmus der Teppichknuepfer
Das Knuepfen von orientalischen Teppichen fand einst nach einem strengen Reglement statt. Eine Art Ausrufer gab die Anweisungen, nach denen die Knuepfer Farbe u. Wolle wechselten. Das alles verlief nach einem bestimmten Rhythmus u. nach vorgegebenen Melodien, die in einer Partitur niedergelegt waren.
Musik also bestimmte nicht nur die Muster, sondern auch die Arbeitsweise der Teppichknuepfer. Der kleine Buchara „ klang „ ganz anders als der grosse Adlerkasak oder gar die fein geknuepften Seidenteppiche aus Persien.
Manchmal habe ich den Verdacht, dass die griechische Gesellschaft sich nach eben solchen Partituren verhaelt. Die Vorsaenger heissen hier Alexiou, Dalaras, Glykeria, Marinella, Parios, Vissi, Voskopoulos usw. Ihre Lieder geben die Muster vor, nach denen die Menschen sich u. ihre Gesellschaft empfinden. Fuer die meisten ist naemlich voellig ohne Belang, in welcher Verfassung diese Musik auf ihre Ohren trifft:
Denn Text u. Melodie kennen sie eh alle. Auf das Muster kommt es an. Die Musiktempel am Votaniko in Athen, die Bousoukia oder Skiladika , sind Abend fuer Abend ausverkauft.
Der Mitteleuropaeer, der sich dorthin schleppen laesst, wo er sich mit 2000 weiteren Zuhoerern in einem voellig verrauchten Saal eine erkaeltete Charis Alexiou mit ihren bekannten Schlagern ueber viel zu laute Schallanlagen anhoeren muss, wundert sich, warum die Leute sich das antun, wo doch eine Konserve im CD- Format mit derselben Kuenstlerin u. denselben Liedern zu Hause viel besser klingt.
Wer so denkt, hat das griechische Musikleben nicht verstanden. All die Gehoergeschaedigten, die sich fuer viel Geld regelmaessig an solche Orte begeben, suchen etwas voellig anderes, als der deutsche Konzertbesucher. Einem vor sich hinwimmernden Glenn Gould ohne Verstaerker wuerden sie niemals zuhoeren. Die Griechen erwarten offentsichtlich von der Musik Handlungsanweisungen fuer ihr Leben, wie der orientalische Teppichknuepfer. Denen ist es egal, ob den Saenger den richtigen Ton trifft, ob die Lautsprecher den auch wirklich wiedergeben, ob es sich bei der Veranstaltung um gute Musik handelt. Lau u. eindringlich muss sie sein. Sie wollen nach dem rhythmischen Diktat handeln, naemlich verzueckt die Augen verdrehen, mit den Haenden ueber dem Kopf klatschen, mit den Fingern schnalzen, die Hueften kreisend bewegen oder sich in einem autistischen Zeibekiko verlieren.
Wenn dem Vorsaenger dann das richtige Gewebe gelungen ist, naemlich das Publikum zu einer Gemeinschaft von Gleichgesinnten zu formen, ist man auch bereit, viel Geld auszugeben fuer einen Stoss Teller , der auf der Buehne zerschellt, oder ein Koerbchen Gardenien , die man der Saengerin vor die Fuesse wirft. Auch wenn nicht sicher ist, ob das Publikum der Aufforderung „ Fahr’ mer nach Rafina u. eraufen in Tetsina ( Protosalti ) oder „ Zuend die Zigarette an. Gib mir Feuer „ wirklich nachkommt u. ob der Behauptung „ Die Liebe ist groesser als das Weltall ( Marinella ) wirklich geglaubt wird, in dem Moment, wo der jeweilige Saenger das Mikofon weit von sich haelt u. das Publikum zeigt, dass es Text u. meist auch Melodie auswenig beherrscht, kann das Werk als gelungen bezeichnet werden.
Es kommt einzig u. allein darauf an, dass die Musik die Menschen ergreift u. sie wie beim Gebet in einen seelischen Gleichklang hineinzieht.
Unvorstellbar so etwas in Deutschland, Oesterreich…. Wo kein Mensch mehr einen Text auswendig kann u. die unterhaltende Musik zur absoluten Bedeutungslosigkeit verkommen ist.
Letztendlich sind die griechischen Lieder dem, was in Muenchen, Basel, Insbruck…… als Unterhaltungsmusik gilt, haushoch ueberlegen.
Vielleicht auch deshalb, weil sie die Muester fuer das gesellschaftliche Bewusstsein vorgeben.
Plaudereien zum Thema “heiss und kalt “
Bohnensuppe im Sommer – mit Rindfleisch u. Zwiebeln in goldener Boullion – u. vor allem schon heiß—-! Doch der Traum deutscher Hausfrauen bekommt bei Außentemperaturen um 39 C im Schatten eher alptraumhafte Züge. Das heißt jedoch nicht, daß die Griechen auf ihre heiß geliebte Fassolada oder Fassolakia verzichten, sie wird halt nur beinahe kalt – wie fast alles- gegessen. Und genau diese lauwarme bis kalte griech. Küche ist es, die Griechenland – Ersturlauber zur Verzweifelung bringt.
Gelingt es ihnen doch selten, den Tavernenwirten begreiflich zu machen, daß in Ol schwimmendes Gemßse, fritierte Kästetaschen oder Kalamares nur heiß zu genießen seinen, wo jede selbst doch von frühester Kindheit gelernt haben, daß kein Mensch brandheißes Essen verträgt, daß man vielmehr geduldig warten muß, bis die Pommes – Patates – gebührend abgekühlt sind, während die gefüllten Tomaten eiskalt aus dem Kühlschrank durchaus bekommlich gelten!!!
So hat es der verstörte Tourist, der in den eiskalten Nudeln seinen Jouvetsis rum stochert ( ich mußte damals unsere deutschen Hochzeitsgäste beobachten, wie diese die lecker gewürzt- u. gegrillten Lämmchen mit lauwarmen handgeschälten Pommes nur anstandshalber ” runterwürgten ” u. ich konnte das fast nicht mehr verstehen, obwohl ich selbst mein erstes Moussaka in Griechenland – aufgrund meines damaligen ” europäischen ” – Empfindens- auch vermutlich nur anstandshalber kalt gegessen habe.
Heute esse ich nicht nur die Bohnen, sondern auch Moussaka kalt!!! ); also keineswegs mit Gleichgültigkeit, Unkenntnis oder mangelndem Service zu tun, sondern mit einer landesspezifischen Gewohnheit, die Klima bedingt auf jahrhunderte alter Erfahrung beruht u. gewiss sogar ihre Wurzeln in der Antike hat. Oder sollte etwa Hippokrates nicht gewußt haben, daß man die Eingeweide in der Sommerhitze nicht durch kochende Speisen belasten darf_Zum Trost wisse der Urlauber, dass er mit seinen Bohnen in lauwarmer Tomatensosse im Unterschied zum brutzelnden Kotelett, ein typisches Landesgericht verzehrt.
Vielleicht aber sind die abgekühlten Speisen einen heimliche Erfindung der Hausfrauen, die den größten Nutzen aus dieser Landessitte haben. Können sie doch die Mahlzeiten zubereiten, wann immer sie wollen, ohne sie dann wieder aufwärmen zu müssen. Und welche Weisheit bezüglich der Harmonie ehelicher Tischgemeinschaften, denn in Griechenland bekommt kaum ein Mann geschimpft, weil er zu spät kommend, das Essen kalt hat werden lassen. Werden Gäste erwartet, so gibt es weder Aufregung, noch Hektik u. die Gastgeberin hat in aller Ruhe Zeit, sich fein zu machen.
Doch neuerdings hat sich das Bild in den meisten griech. Lokalen doch gewandelt. Man hat sich gastronomisch den internationalen Anspruchen genähert u. sieht nun zufriedene Touristen gemütlich kauen, während Einheimische jedem Bissen verzweifelt kaltes Tafelwasser hinterher schütten.
Musikgeplauder – Rebetiko
Rembetiko
Der Rembetiko entwickelte sich ursprünglich in den städtischen Zentren Griechenlands, vor allem in Athen u. Piräus, unter den Einwanderern u. in der Künstlerszene. Die Texte handeln von Armut, Drogenabhängigkeit u. gesellschaftlicher Ausgrenzung.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörte der Rembetiko zur beliebtesten Musikrichtung in den Städten u. wurde in den Bars u. Cafes in ganz Griechenland gespielt.
In den 50 -er Jahren lebte die Musik von neuem auf. In dieser Zeit entstanden erstmals auch Werke zeitgenossischer Komponisten im Stil des Rembetiko. Die traditionelle türkische Kleinhalslaute – Baglama wurde als charakteristisches Instrument des Rembetiko von der Bouzouki ( ein Zupfinstrument ), abgelost.