Feste- und Feiertage
FESTE- UND FEIERTAGE
Mit wenigen Ausnahmen sind die Leute im Dorf christlich orthodoxen Glaubens. Jung u. Alt besuchen die traditionellen Kirchenfeiern, die oft mit schonen Veranstaltungen auf dem Marktplatz enden. Eine gro?e Bedeutung haben Namenstage der Heiligen, so haben nicht nur Dorfer u. Stadte, Schulen…, die meisten Leute einen Namensheilige/n u. die entsprechenden Tage werden dann gefeiert. Geburtstagen wird wenig Beachtung geschenkt, meist nur bei den Kindern, wenn uberhaupt.
Ich mochte Ihnen hier nur die wichtigsten Festtage u. deren Bedeutung nennen:
(Viele der folgenden Informationen sind teilweise der Athener Zeitung von ‘ 96 bis ‘ 98 entnommen !!!)
6 Dezember Ag. Nikolaos:
Der Schutzheilige der Seeleute, Fischer u. Schiffahrt, aller Meere u. Gewasser. Er soll durch beten den Untergang des Schiffes, auf dem er einst reiste, verhindert haben ( selbstverstandlich gibt es noch andere Legenden ). Die Seeleute bitten ihn um ruhige See. In Volos feiern an diesem Tag die Fischer…., Marine ” ihren Heiligen ” ( ich glaube, es sind dann sogar die Geschafte geschlossen ). Namenstag feiern Nikos, Nikolaos, Niki …. ! Fur die Kinder gibt es an diesem Tag jedoch keine Geschenke u. der allbekannte Nikolaus, im roten Gewand u. wei?em Bart, ist bei uns in Griechenland unter dem Namen Agios Vassilis bekannt, der am 1. Jan. die Kinder beschenkt.
Weihnachten – Sylvester:
Sylvester u. der Neujahrsfeiertag am 1. 1. Ag. Vassilios: Allen die Vassilis, Billis, Vassiliki, Valia, Vassia, Vasso ….. heißen, sollte man am 1. 1. ( proti chronia ) begluckwunschen. Vassilios d. Gro?e zahlte zusammen mit seinen Brudern zu den 3 gro?en Kirchenvatern u. wirkte um 350 n. Chr. Der Legende nach soll dieser Bischof einst einen grausamen Herrscher der Stadt Caesarea veranla?t haben, die Wertsachen die er den Einwohnern abgenommen hatte, zuruckzugeben. Da er nicht die rechtma?igen Besitzer der verschiedenen Sachen kannte, lie? er die Munzen u. Wertsachen in Brote einbacken u. an die Bevolkerung verteilen. So wurde Ag. Vassilios der Gabenbringer der Kinder, den sie in der Sylvesternacht erwarten. Au?erdem wird am 1. Jan. die ” Vassilopitta ” angeschnitten, in die die Hausfrau eine Munze eingebacken hat. Wer diese findet, ist der Gluckspilz des Jahres.
Ta Agia Theophania ” – Gotteserscheinung und 7.Jannuar:
6. Jan. ” Ta Agia Theophania ” – Gotteserscheinung o. ” Fotismos ” – Erleuchtung: Die AZ schreibt, daß nach Verlegung d. Weihnachtsfestes durch die rom. Kirche auf den 25. Dez. in der Ostkirche, der 6. Jan. als Erscheinungsfest der Taufe Christi ( anlaßl.. derer sich die Dreifaltigkeit offenbart hat ) erhalten blieb. An diesem Tag ist vor allem in Kusten- u. Hafenorten, so auch in Pigadion eine kirchl. Andacht, wobei nach 3 – maligem Eintauchen eines angebundenen Kreuzes freiwillige Taucher es in einer Art ” um die Wette tauchen ” wieder herausholen.
7. Jan. ist kein offizieller Feiertag, nur Johannes dem Taufer gewidmet und alle die Ioannis, bzw. Jannis, Ioanna o. Janna…. hei?en, haben Namenstag. ( Die gro?e Haufigkeit dieser Namen lasst sich meist dadurch erklaren, da? vor allem erstgeborene Kinder den Namen der Gro?eltern erhalten. Die Jungs werden nach dem Opa, die Madchen nach der Oma benannt.
25. 3. – Nationalfeiertag:
Es wird jedes Jahr die Befreiung ( 1821 ) von der 400- jahrigen turkischen Herrschaft im ganzen Land gefeiert! Auf jeder ” Platia ” finden Veranstaltungen, in Form von Paraden
in Trachten, den Nationalfarben blau/wei?, Kranzniederlegungen, Lesungen, Tanzen …., statt.
Triodio, die 3 wochig. Karnevalszeit; Apokries – u. der Beginn der Fastenzeit – Sarakosti:
Mit Tsiknopempti ( ab Donnerstag werden eigentlich erst so richtig die letzten Karnevalstage in den Dorfern mit Veranstaltungen in Schulen, Vereinen… gefeiert ) starten die letzten Karnevalstage. An diesem verlangerten Wochenende treffen sich Familien u. Freunde wieder. Die Karnevalszeit endet schie?lich mit dem Kathara Deftera – ( ahnl. Rosenmontag ), ein offizieller Feiertag, ist gleichzeitig der Beginn der 40 – tagigen Fastenzeit vor Ostern. Man trifft sich zum Picknick u. Drachensteigen, auf Bergen u. Hugeln, mit Musik u. Tanz u. den speziell vorbereiteten Fastenspeisen, wie Kalamaren, Oktapus, Soupies, Muscheln, Garnelen, Fischrogensalat, Gemusen…. u. Oliven u. dem nur fur diesen Tag gebackenen Fladenbrot, der Lagana. Naturlich fehlt’ s auch nicht an Hauswein, ….( Fasching fand in diesem Jahr wie alle darauffolgende Feste d. griech.- orthod. Kirche, 1 Woche spater statt, als bei Ihnen zuhause!
Die ” megali evdomada ”- die gro?e Woche, die Karwoche ist die wichtigste Zeit vor dem gro?ten Fest der Orthodoxie – Ostern! DAS GRIECHISCHE OSTERFEST findet in diesem Jahr wie alle kirchl. Feste, zum gleichen Datum wie in anderen westeuropaischen Landern statt ( was relativ selten der Fall ist )u. ist begleitet von alterhergebrachten Brauchen, Traditionen u. Ritualen. In der Karwoche besuchen uberwiegend Frauen u. altere Leute den tagl. Gottesdienst. Sie halten dann gro?tenteils auch die entsprechenden Fastentage oder gar die ganze Zeit ein. D.h. es werden entweder uberhaupt keine tierischen Erzeugnisse oder keine Fleischgerichte gegessen, was auch oft den Fisch ausschlie?t u. Freitag sogar das Olivenol. Aufgrund der Trauerstimmung wird in der Karwoche selten getanzt oder gesungen. Es beginnen die Ostervorbereitungen, indem viele Hauser, Gemauer u. Bordsteine wei? gekalkt werden u. der Osterputz beginnen kann, weil man die Verwandten aus den Gro?stadten u. sogar aus dem Ausland erwartet, um das gro?te Fest des Jahres gemeinsam zu feiern.
Am Karmittwoch findet das Sakrament der Alung statt, Grundonnerstag die Liturgie der Kreuzigung u. Lesung der 12 Evangelien…. u. besonders wird der Verstorbenen gedacht, indem Familienangehorige ” Kollva ” ( gekochte Weizenkerne mit Puderzucker u. Rosinen ) an die Graber bringen.
Schon am fruhen Morgen des Karfreitags lauten trauervoll die Kirchenglocken, wobei in der Nacht zuvor das Grab Jesu ” EPITAPHIOS ” von den Frauen geschmuckt wurde. Nach den Totengesangen u. Lobpreisungen am Karfreitag wird schlie?lich nachts das geschmuckte Grab durch die Stra?en getragen, die Prozession ist begleitet von vielen gelb farbigen Trauerlichtern. In bestimmten Kirchenorten, oder dort wo sich Kloster befinden, wie z.B. in Xenia ( zw. Sourpi u. Platanos ) finden gro?artige Prozessionen mit der symbolischen Darstellung der Kreuzigung statt.
Am Ostersamstag sind schlie?lich alle viel beschaftigt u. in reger Aufruhr, nachdem man ein Zieglein oder Lammchen ( vorzugsweise aus der eigenen oder Nachbarschaftszucht gefunden hat, bereitet man aus den Innereien entweder eine Magiritsa – Suppe, Gardoubes ( Innereienrollchen in grunem Gemuse )…., vor. Das Lamm wird gefullt u. fur den Spie? zum Grillen oder zum Backen vorbereitet. Die Ostereier werden nach altem Brauch meistens rot gefarbt u. unsere Omas u. Tanten machen aus einem Teil der erstandenen Schaf – oder Ziegenmilch Galatopita, einen hausgemachten Blaaterteig mit kostlicher Cremefullung u. vielleicht sogar noch eine Schussel Joghurt.
Nach der Mitternachtsmesse trifft man sich auf der Platia, die Kerzen – Lambades werden angezundet u. das Licht weitergegeben, bis alles erleuchtet ist – mit ” chronia polla ” u. ” christos anesti ” u. es wird die Auferstehung gefeiert, die manchmal sogar von einem Feuerwerk begleitet sein kann.
Die Osterfeiertage spielen sich hauptsachlich im Bekannten – u. Familienkreis ab, wobei Gaste naturlich nicht ausgeschlossen sind. Man wird wahrend der Feiertage in der Provinz selten eine Taverne oder Lokal geoffnet vorfinden! Cafeterien u. Diskotheken sind aber Ostersamstag ab Mitternacht nicht nur gut besucht, sondern es wird ausgelassen, oft bis in die Morgenstunden lebhaft u. gefeiert, au?er naturlich bei Trauerfallen in der Familie.
Ostersonntag werden dann uberall die Lammer oder Zieglein abwechselnd den Spie? drehend, bei Wein u. Musik gegrillt u. das gemeinsame Osterfestessen findet statt, selbst wenn der Lammbraten ( zum Beispiel in trauernden Familien ) vereinzelt vom Backer oder im Ofen zubereitet wird. Danach ist ein Mittagsschlafchen bestimmt angebracht!
Ostermontag hei?t dann schon fur viele wieder Abschied nehmen, von der Familie, Freunden u. vielen schonen Erinnerungen. Die stressige Heimreise nach Athen, Thessaloniki…. mit hohem Verkehrsaufkommen beginnt wie am Anreisetag, aber man freut sich schon auf das nachste Wiedersehn. Das ist dann meistens am 1. Maifeiertag, – dann Pfingsten ( wieder spater als in Deutschl. , Osterreich… )u. dann beginnt schon der Sommer, die Ferien – u. Urlaubszeit, die sich vor allem in der letzten Juli u. ersten beiden Augustwochen ” ballt ”, da die Schulen u. spater die meisten Stadt. Buros …. u. Fabriken in dieser Zeit offiziell geschlossen sind.)
Die Hoch – u. Abschiedszeit des Sommers ist schließlich der 15. August – Maria Himmelfahrt ” Kimisios tis Theotokou tis Panagias ”:
( die Namensheilige der Kirche in Pteleos ) – wohl mit einer der bedeutensten orthodoxen Feiertage ( uber Herkunft, Grunde u. verschiedene Glaubensrichtungen sollte man sich keine weiteren Gedanken machen! Meine personliche Meinung ist, da? nur durch solche Festlichkeiten, die immer lang ersehnte Zusammenkunft von Angehorigen u. Freunden …. zustande kommt! ). Maria, Despina, Panajiota, Panajiotis…. haben dann Namenstag u. oft kann man bei den ” chroni polla ” – Gluckwunschen nicht entscheiden, ob sie als Gratulation fur einen personlichen Namenstag, oder fur die Heilige gedacht sind. ( Ubrigens sollte man auch den nachsten Angehorigen, vor allem den Eltern an einem Namenstag der Kinder oder umgekehrt, die Hand reichen! )
Diese Tage sind sicherlich nicht nur bei uns sehr belebt, aufregend u. manchmal chaotisch, denn es wird vor allem schwierig sein, kurzfristig eine Unterkunft oder einfache Schlafmoglichkeit zu finden. Dann steht den Einheimischen wieder der oft ( fur Ihr Verstandnis vielleicht unvorstellbare ) schmerzliche Abschied bevor u. man wunscht sich braun gebraunt, bei hochsommerlichen Temperaturen – einen ” kalo chimonas ” – einen guten Winter, denn man sieht sich vermutlich erst im nachsten Sommer wieder ! Man mochte eigentlich uberhaupt nicht an den Unterricht in den Schulen, Universitaten, nachzuholenden Unterrichtsstunden, den Trott und an die stickige Luft in Athen oder Thessaloniki….., denken.
Aber schon bald werden wir uns in Pigadion oder irgendwo in unserem Dorf wieder treffen, vielleicht ganz zufallig, aber spatestens an Fasching, Ostern oder in den Sommerferien im nachsten Jahr ! ! ! ?
Der 28. Oktober ist der Oxi – Tag:
ein Nationalfeiertag ! 1940 antwortete der Diktator Metaxas mit OXI – NEIN, als Mousselini mit seinen Truppen in Griechenland einmarschieren wollte!
Auch an diesem Tag finden im ganzen Land Paraden u. Veranstaltungen, sowie Kranzniederlegungen fur die Gefallenen statt !!